Bio-Lebensmittel auf dem Vormarsch

Laut einer Studie, die der WELT vorliegt, sind Bio-Lebensmittel im Mainstream angekommen. Aber ist dem wirklich so? Und was bedeutet das für die deutsche Hotellerie und Gastronomie?

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Mit dem Angebot von Bio-Produkten können Hotels und Gaststätten einen großen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten. Lebensmittel aus der ökologischen Landwirtschaft werden ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Kunstdünger hergestellt. Die Produktion von Bio-Fleisch legt Wert auf eine artgerechte Haltung der Tiere und verbietet die Behandlung mit Antibiotika oder Wachstumshormonen.

Dass Bio-Produkte von den Gästen auch immer mehr erwünscht sind und teilweise sogar explizit nachgefragt werden, lässt zumindest die Entwicklung im Einzelhandel vermuten. So titelte die Zeitung DIE WELT jüngst, dass Bio-Essen zum Mainstream geworden sei und beruft sich dabei auf eine Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen. Demnach sei ein Wandel in der Gesellschaft zu erkennen. 84 Prozent der befragten Personen machten sich Gedanken über die Herkunft und Umweltauswirkungen ihrer Nahrung. In der Studie werden die Verbraucher in verschiedene Gruppen eingeteilt. Mehrere griffen dabei regelmäßig zu Bio-Produkten, insbesondere die mit 11 Prozent vertretene Gruppe der Naturnahen. Die im Rahmen des Ökobarometers 2017 durchgeführte Befragung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft kommt zu ähnlich positiven Ergebnissen für die Bio-Branche. Von den befragten Personen kauften 3 Prozent ausschließlich, 19 Prozent häufig und 49 Prozent gelegentlich Biolebensmittel ein.

Bei den Ergebnissen ist zu berücksichtigen, dass Personen bei Befragungen aufgrund der sozialen Erwünschtheit oft Aussagen treffen, die nicht unbedingt ihren Handlungen entsprechen. Gerade vor diesem Hintergrund ist es wohl zu früh zu behaupten, Bio sei bereits im Mainstream angekommen. Positiv stimmt aber die kontinuierlich steigende Relevanz von Bio-Produkten. So wuchs der Anteil der Bio-Lebensmittel am Gesamtumsatz der Lebensmittelbranche 2016 um fast 10 Prozent von 5,2 auf 5,7 Prozent. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft schildert in Branchenbericht 2017 außerdem, dass immer mehr Bauern auf Bio umstellen. Der Aufschwung der Bio-Lebensmittel mache sich am meisten im vergrößerten Angebot der Lebensmitteleinzelhändler bemerkbar.

Projekt Nachhaltige Lernorte im Gastgewerbe (NL-G)

Viele der im Rahmen des Projekts „Nachhaltige Lernorte im Gastgewerbe (NL-G)“ kooperierenden Unternehmen setzen bereits auf Bio-Produkte. Ob zu 100 Prozent oder nur bei ausgewählten Produkten. Wichtig ist in diesem Kontext sicherlich zu berücksichtigen, dass Bio nicht immer gleichzeitig nachhaltig bedeutet. Dies ist auch ein Aspekt, der in den im Projekt geführten Experteninterviews immer wieder zur Sprache kommt. Gerade wenn Bio-Produkte aus Übersee stammen, ist der Bezug von regionalen Produkten umweltschonender. Eine Kooperation mit lokalen Bio-Erzeugern ist sicherlich der nachhaltigste Weg. Die oben beschriebenen Entwicklungen tragen dazu bei, dass immer mehr Hotels Bio-Erzeuger in ihrer Umgebung finden können.

Natürlich ist das Umstellen auf Bio-Produkte für Hotels und Gaststätten mit organisatorischem und vor allem finanziellem Mehraufwand verbunden. Nichtsdestotrotz sollten Auszubildende und Mitarbeiter in der Berufsschule und im Betrieb über die Bedeutung von biologischen und regionalen Produkten aufgeklärt werden. Dieser Standpunkt wird auch durch die bisherigen Ergebnisse im Projekt gestützt.

 

Quelle Grafik: Markenartikel Magazin. n.d. Anteil von Bio-Lebensmitteln am Lebensmittelumsatz in Deutschland in den Jahren 2006 bis 2017*. Statista. Zugriff am 8. Januar 2018. Verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/360581/umfrage/marktanteil-von-biolebensmitteln-in-deutschland/.

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